Die Schutzhundprüfung (SchH) wurde in einigen Verbänden durch die Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde (VPG) ersetzt; die Prüfungsinhalte bleiben aber gleich und umfassen in allen 3 Stufen die Sparten Fährtenarbeit, Unterordnung (Gehorsam) und Schutzdienst (die Arbeit am Figuranten, Gehorsam in höherer Trieblage und unter besonderer Belastung); die Prüfungsinhalte werden in der Prüfungsordnung des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) festgelegt. Zugelassen sind Hunde aller Rassen sowie auch Mischlinge, die fähig sind die gestellten Anforderungen zu erfüllen und das jeweilige Zualssungalter zur Prüfung aufweisen.
Der SchH Prüfung ist immer die Begleithundprüfung mit Verhaltenstest (BH/VT) vorangestellt, in der Grundgehorsam abgefragt wird, also das sofortige befolgen von Kommandos, sowie die Unbefangenheit des Hundes gegenüber anderen Hunden, Menschen und Situationen in Öffentlichkeit und Straßenverkehr. Ohne eine bestandene Begleithundprüfung ist die Teilnahme an weiterführenden Sportprüfungen NICHT möglich.
Rund 150.000 Mitglieder in den verschiedenen Hundesportvereinen bilden Hunde im Schutzhundesport aus. Eine kleine Broschüre vermittelt einen Eindruck in die trieblichen Inhalte dieser Ausbildung und erklärt, warum ausgebildete Hunde in Konfliktsituationen größere Selbstbeherrschung zeigen.
Inhalte der Abteilung A - Fährtenarbeit
Der Hund als Nasenspezialist wurde schon früh von den Menschen zur Suche eingesetzt. Die Anzahl der Riechzellen ist mit ca. 300.000.000 um ein Vielfaches höher als beim Menschen mit rund 500.000 und entsprechend empfindlicher. Bei der Fährtenarbeit wird von einem Fährtenleger eine Spur in Wiese, Acker oder bei reinen Fährtenprüfungen (FH) auch in Wechselgelände und über Wege gelegt. Dabei legt er auf der Fährte gut verwitterte ("nach Mensch riechende") Gegenstände aus Kunststoff, Holz oder Leder ab, die vorgegebenen Abmessungen entsprechen müssen. Der Hund muß diese Gegenstände beim Absuchen verweisen, das darf er entweder indem er sich davor setzt, legt oder stellt oder indem er den Gegenstand aufnimmt und bringt (beide Varianten innerhalb einer Prüfung sind allerdings fehlerhaft). Der Hundeführer setzt den Hund am Abgang der Fährte mit dem Kommando "Such" an und folgt dem freisuchenden oder angeleinten Hund in 10 Metern Abstand. Je nach Ausbildungsstand des Hundes, bzw. Prüfungsstufe wird die Fährte eine bestimmte Zeit (20 min bis 3 h) nach der Fährtenlegung ausgearbeitet. Man unterscheidet Eigenfährten und Fremdfährten. Bei der Eigenfährte wird die Fährte vom Hundeführer selbst gelegt und er darf eigene Gegenstände verwenden, bei der Fremdfährte (ab der SchH2) tritt eine fremde Person die Fährte und legt fremde Gegenstände ab. Fährtenarbeit funktioniert über die Düfte der mechanischen Bodenverletzung (beschädigte Erdoberfläche, zertretene Pflanzen, Kleinstlebewesen, etc.) in Verbindung mit dem verbleibenden Individualgeruch des Fährtenlegers. So werden die Hunde darauf ausgebildet diesen speziellen Mischgeruch zu suchen und ihm in seinem Verlauf zu folgen, konzentriert, zügig und mit tiefer Nase. Eine Fährte im Hundesport besteht aus mehreren geradlinigen Abschnitten, den Schenkeln, sowie verschiedenen Winkeln zwischen diesen. Wichtig ist, dass der Hund sich mit der Nase orientieren soll und nicht mit den Augen, darum beginnt man diese höchst anspruchsvolle Ausbildungsarbeit idealerweise bereits mit dem 8 Wochen alten Welpen.
Inhalte der Abteilung B - Unterordnung
Abteilung B der sportlichen Schutzhundeausbildung beinhaltet die Fußarbeit in Freifolge, nach einem festgelegten Laufschema, den Wechsel der Gangart (normaler Schritt, Laufschritt, langsamer Schritt), linke und rechte Winkel, sowie Kehrtwendungen und das umlaufen einer Menschengruppe. Während der gesamten Prüfungssituation wird der Hund ohne Leine mitgeführt und besser bewertet je korrekter seine Arbeit vorgeführt wird und je aufmerksamer sich der Hund zeigt. Zusätzlich zur Freifolge, kommen Übungen dazu wie Sitz, Platz und Steh die je nach Prüfungsstufe entweder aus dem normalen Schritt oder dem Laufschritt heraus unmittelbar auf Kommando ausgeführt werden sollen. Apportierhölzer unterschiedlicher Größen- und Gewichtsklassen müssen ebenfalls je nach Prüfungsstufe in 3 Übungsvarianten vom Hund in vorgegebenem Übungablauf gebracht werden, auf ebener Erde, über eine 1m-Hürde und zuletzt über eine 1,80m hohe Steilwand. Abschließend in jeder Prüfungsstufe wird das "Voraus" gezeigt, bei dem sich der Hund aus der Freifolge heraus, auf Kommando in gerader Richtung vom Hundeführer zu lösen hat und in vollem Trieb weiter läuft bis das Kommando Platz erfolgt. In der Unterordnung sind jeweils 2 Teams auf dem Platz, wobei einer der Hunde sich in der Ablage befindet, wo er nach dem Kommando Platz erst wieder aufstehen darf, wenn er vom Hundeführer abgeholt wird, der während der Ablagezeit in einiger Entfernung mit dem Rücken zum Hund steht. Während der Prüfung werden 2 Schüsse abgefeuert, um zu testen wie die beiden Hunde sich unter plötzlicher Geräuscheinwirkung verhalten. Der Abliegende, sowie der frei folgende Hund sollten keinerlei Reaktion auf den Schuß zeigen. Hier wird also abgefragt ob der Hund im Gehorsam steht und bereitwillig die Befehle seines Hundeführers befolgt. Dies wird er nur dann freudig und motiviert tun, wenn schon zu Hause, sowie in der vorangegangenen Ausbildung eine gute Beziehung und Vertrauensbasis zwischen Hund und Hundeführer aufgebaut wurde.
Inhalte der Abteilung C - Schutzdienst
Hier geht es in erster Linie darum im Rahmen einer sportlichen Ausbildung den geführten Hund zu einem sicheren, zuverlässigen und auch in Extremsituationen gehorsamen Begleiter zu trainieren. Der Hund im Sport lernt nicht, wie oft falsch dargestellt, einen Menschen zu beißen, sondern kann seine Triebe artgerecht ausleben. Im Sport werden die Hunde ausschließlich auf den Ärmel des Helfers fixiert; außerhalb des Hundeplatzes und ohne den Ärmel wird ein ausgebildeter Sportschutzhund keinen Menschen angreifen -im Gegenteil. Er reagiert laut Statistiken wesentlich nervenfester auf neue, ungewohnte Situationen. Die Ausbildung eines Schutzhundes sollte schon in jungen Jahren beginnen, es wird der Beutetrieb des Hundes angesprochen und er lernt aussschließlich den Schutzärmel als erlaubte Beute zu akzeptieren, so wie man seinem Hund auch zu Hause beibringt das er nach dem Bällchen, aber nicht nach der Hand schnappen darf. Um die nötigen Befehle und geforderten Fähigkeiten zu erlernen ist es notwendig den Hund in der Trieblage auszubilden in der er später arbeiten wird. Im Gegenteil zu früher arbeitet man heute nicht mehr so sehr über den Triebaufbau, sondern man nutzt den bereits vorhanden Trieb, baut eine saubere Technik auf und födert den Gehorsam während der Trieb sich im Laufe der Ausbildung von allein steigert. Das Motto ist "Trieb macht doof!" so ist bei einem vor Trieb blinden Hund ein gesunder Lernprozess von vornherein blockiert. Wer bereits in der Unterordnung eine gute Vorarbeit geleistet und auch sonst eine gute Beziehung zu seinem Hund hat, kann auch den Gehorsam in Abteilung C leichter durchsetzen und das Ergebnis ist ein seinen Anlagen entsprechend, sauber ausgebildeter Sportpartner. Übungen die in der C-Arbeit abverlangt werden fangen an beim "Streifen nach dem Helfer", dem zügigen und engen Umlaufen der Reviere bis zum Stellen des "Scheintäters" im letzten Revier. Der Hund wird dort den Helfer durch drangvolles Verbellen anzeigen. Je nach Prüfunsstufe wird der Hund auf Richteranweisung aus dem Versteck abgeholt oder in die Grundstellung abgerufen. Anschließend soll der Figurant bei der "Verhinderung eines Fluchtversuches", durch energisches Zufassen des Hundes am Schutzarm, an der Flucht gehindert werden. Es folgt ein Überfall auf den Hund bei dem vom Helfer mit einem Softstock 2 Schläge auf Schultern oder Widerrist des Hundes gesetzt werden, als Gegenwehr des Scheintäters um die Belastbarkeit des Hundes auf die Probe zu stellen. Ein Schlag mit dem Softstock fügt dem Hund keine Schmerzen zu, der Zusammenstoß zweier miteinander spielender Hunde ist weitaus schmerzhafter. So gibt es im Schutzdienst noch viele weitere Übungen wie Transporte wo der Hund neben oder hinter dem Helfer läuft, gleichzeitig bei seinem Hundeführer Bei-Fuss geht OHNE das er zufassen darf. Ein erlaubtes Zufassen erfolgt immer nur auf eine Aktion des Helfers ... so sollte es sein wenn man richtig ausgebildert hat. Innerhalb jeder Übung muß der Hund, auch während sich der Hundeführer in einiger Entfernung befindet, nach einem Anbiß auf Kommando sofort den Griff lösen und ablassen, auch dies wird in der Prüfung abgefragt und streng beurteilt.